Was ist eine KI-Sichtbarkeitsanalyse?
Eine KI-Sichtbarkeitsanalyse ist eine systematische Prüfung, ob und wie dein Unternehmen in KI-generierten Antworten vorkommt. Du stellst ChatGPT, Gemini, Perplexity und anderen Systemen gezielte Fragen zu deiner Branche und dokumentierst, ob dein Unternehmen erwähnt wird.
Die Fragen orientieren sich an typischen Nutzeranfragen: "Welche SEO-Agentur in Passau ist empfehlenswert?", "Was kostet Suchmaschinenoptimierung für kleine Unternehmen?", "Wer bietet KI-Beratung in Niederbayern an?" Du dokumentierst jede Antwort und analysierst Position, Kontext und Tonalität der Erwähnung.
Das ist nicht dasselbe wie ein Google-Ranking-Check. Es ist die Frage: Wird mein Unternehmen von KI-Systemen als relevant für meine Branche wahrgenommen?
Was eine Analyse zeigt, und was nicht
Eine KI-Sichtbarkeitsanalyse zeigt dir:
- In welchen Themenbereichen dein Unternehmen erwähnt wird
- Wie oft du erwähnt wirst im Vergleich zu Wettbewerbern
- In welcher Rolle (Empfehlung, neutrale Erwähnung, Beispiel)
- Welche externen Quellen die KI heranzieht, wenn sie dich nennt
- Ob die Informationen über dich korrekt sind
- Trends über die Zeit (monatliche Veränderungen)
Was sie nicht leistet: Eine Analyse garantiert keine Verbesserung innerhalb eines bestimmten Zeitraums. KI-Modelle aktualisieren ihren Wissensstand in unterschiedlichen Zyklen. Manche Systeme greifen auf aktuelle Web-Daten zu (Perplexity), andere basieren stärker auf Trainingsdaten mit festem Cutoff. Du kannst beeinflussen, wie wahrscheinlich eine Erwähnung ist, aber nicht erzwingen.
Konkrete Maßnahmen ableiten
Die Analyse ist kein Selbstzweck. Sie liefert Anhaltspunkte, wo Handlungsbedarf besteht.
Inhalte auf tatsächlich gestellte Fragen ausrichten. Wenn KI-Systeme bestimmte Fragen zu deinem Thema beantworten, aber dein Unternehmen nicht erwähnen, fehlt dir passender Content. Nicht Leistungsbeschreibungen, sondern Inhalte, die eine konkrete Frage direkt und vollständig beantworten.
Platzierungen in Fachmedien aufbauen. KI-Systeme lernen von externen Quellen. Wenn Wettbewerber häufiger zitiert werden, liegt es oft daran, dass sie in mehr Fachmedien, Verzeichnissen und Branchenportalen erwähnt werden. Dein Ziel: unabhängige Stimmen, die das richtige Bild von dir zeichnen.
Sprache und Terminologie vereinheitlichen. KI reagiert auf Konsistenz. Wenn dein Unternehmen mal als "Digitalagentur", mal als "SEO-Beratung", mal als "Marketing-Agentur" beschrieben wird, schwächt das die Erkennung. Definiere deine Positionierung klar und nutze sie überall gleich.
Entitäts-Verankerung stärken. Strukturierte Daten auf der Website, Google Business Profile, konsistente NAP-Daten (Name, Adresse, Telefon), Branchenverzeichnisse. Je klarer deine Entität definiert ist, desto zuverlässiger erkennen KI-Systeme dich.
Zitierfähige Textstruktur schaffen. KI zitiert bevorzugt klare, eigenständige Aussagen. Absätze, die als Antwort auf eine Frage funktionieren. 2-3 Sätze, die ohne Kontext verständlich sind. Dein Content sollte Passagen enthalten, die ein RAG-System direkt als Antwort verwenden kann.
Methodik: Prompt-basiertes Tracking
Die Standardmethode ist prompt-basiertes Tracking. Du definierst 30 oder mehr Prompts, führst sie auf drei KI-Plattformen aus, dokumentierst die Ergebnisse in einer Tabelle und wiederholst das monatlich.
Prompt-Kategorien
- Kaufentscheidung: "Welche Agentur empfiehlst du für SEO in [Region]?"
- Vergleich: "Was ist der Unterschied zwischen SEO und GEO?"
- Problem/Lösung: "Meine Website wird bei Google nicht gefunden. Was kann ich tun?"
- Branchenwissen: "Was kostet Suchmaschinenoptimierung für ein mittelständisches Unternehmen?"
- Anbietersuche: "Wer bietet KI-Workshops für Unternehmen in Bayern an?"
- Bewertung: "Ist GEO für lokale Dienstleister sinnvoll?"
Scoring
Für jeden Prompt und jede Plattform dokumentierst du:
- 0 Punkte: Nicht erwähnt
- 1 Punkt: Erwähnt (beiläufig, als eines von vielen Beispielen)
- 2 Punkte: Empfohlen (als relevante Option genannt)
- 3 Punkte: Primär empfohlen (als erste oder einzige Empfehlung)
KPIs
- Citation Rate: Anteil der Prompts, bei denen du erwähnt wirst (z.B. 12 von 30 = 40%)
- Share of AI Voice: Deine Erwähnungen im Verhältnis zu allen Erwähnungen (du + Wettbewerber)
- Durchschnittlicher Score: Gewichteter Mittelwert über alle Prompts
Tools und Methoden
Manuelles Tracking per Spreadsheet ist der einfachste Einstieg. Ein Google Sheet oder Excel mit Spalten für Prompt, Plattform, Datum, Ergebnis, Score. Zeitaufwand: 2-4 Stunden pro Monat. Vorteil: volle Kontrolle, kein Abo-Kosten. Nachteil: zeitintensiv.
Otterly AI automatisiert Prompt-Testing auf mehreren Plattformen und erstellt Berichte. Zeitersparnis ist erheblich. Preislich im mittleren dreistelligen Bereich pro Monat.
Peec AI bietet ähnliche Funktionalität mit Fokus auf Wettbewerbsvergleich. Ebenfalls automatisiert.
HubSpot AEO Grader ist kostenlos und prüft, wie gut deine Website für KI-Sichtbarkeit aufgestellt ist. Kein vollständiges Monitoring-Tool, aber ein brauchbarer Einstiegspunkt für eine erste Standortbestimmung.
Ehrliche Einordnung: Diese Tools sind nützlich, aber kein Wundermittel. Sie zeigen Trends, nicht Kausalität. Eine steigende Citation Rate kann bedeuten, dass deine Maßnahmen wirken. Oder dass ein KI-System seine Daten aktualisiert hat. Oder beides.
Regelmäßigkeit und Benchmarks
Ein monatlicher Rhythmus ist das Minimum. KI-Systeme ändern sich laufend, neue Wettbewerber tauchen auf, Trainings-Daten werden aktualisiert. Ein jährlicher Check reicht nicht, um Trends zu erkennen.
Der richtige Ablauf:
- Baseline setzen: 30+ Prompts jetzt durchführen und dokumentieren. Das ist dein Ausgangspunkt.
- Maßnahmen umsetzen: Content erstellen, Entitäts-Verankerung stärken, Fachmedien-Präsenz aufbauen.
- Nach 2 Monaten: Prompts wiederholen, Ergebnisse vergleichen.
- Nach 6 Monaten: Trend-Analyse. Wo hat sich etwas verbessert, wo nicht?
Benchmarks hängen von Branche, Unternehmensgröße und Wettbewerbsdichte ab. Wenn deine Wettbewerber durchschnittlich 40% Citation Rate haben und du bei 15% liegst, ist das ein klares Signal. Wenn alle unter 20% liegen, stehst du vor einer Chance: Wer jetzt investiert, hat Vorsprung.
Zusammenfassung
Eine KI-Sichtbarkeitsanalyse zeigt dir, ob KI-Systeme dein Unternehmen kennen und wie sie darüber sprechen. Die Methode ist systematisch: 30+ standardisierte Prompts, drei Plattformen, monatliche Wiederholung. Die Ergebnisse liefern konkrete Ansatzpunkte für besseren Content, stärkere Entitäts-Verankerung und gezielte Medienpräsenz. Ob manuell per Spreadsheet oder automatisiert mit Tools, entscheidend ist die Regelmäßigkeit und eine saubere Baseline als Vergleichsgrundlage.
